


Kunst als "sichere Aktie"
von Florian Steininger,
Kurator BA-CA Kunstforum, Wien
Charles Saatchi, der Kunstmogul unter den Sammler-Haien für zeitgenössische Kunst hat am Kunstmarkt Anfang 2005 für großes Aufsehen gesorgt. Er hat Damien Hirsts Tigerhai, in Formaldehyd konserviert - das Prunkstück aus seiner British Young Art Collection - um etwa 10 Millionen US $ verkauft. Saatchi bezahlte 1991 für den Koloss von Hirst 50.000 £. Damit hat der Hai eine jährliche Wertsteigerung von 41,6% über die letzten 13 Jahre erfahren. Im Vergleich dazu sind die Aktien bei Microsoft lediglich um 22%, bei Amazon.com seit 1997 um 55,3% gestiegen.
Eine gute finanzielle Anlage?
Natürlich haben wir es bei Hirst's Hai mit einer spektakulären Ausnahme zu tun, nimmt dieses Werk generell eine repräsentative Sonderstellung in der Gegenwartskunst ein. Es ist gleichsam die Ikone der aktuellen Kunst. Lediglich Jeff Koons Porzellanskulptur Michael Jackson and Bubbles kann dem Fisch das Wasser reichen, vielleicht auch deshalb, weil die Gazetten von Jacksons Prozess über lange Zeit vollgespickt waren.
Dieses Fallbeispiel macht aber klar, dass besonders die Contemporary Art sich einer großen Nachfrage erfreut. Dies bestätigen nicht nur die Auktionsergebnisse bei Sotheby's und Christie's sondern auch die Verkäufe auf den großen internationalen Kunstmessen wie Art Basel und Art Basel Miami. Binnen ein paar Stunden konnte etwa die Berliner Galerie Eigen & Art den ganzen Stand ihrer realistischen Malerei von der boomenden Leipziger Schule verkaufen. Natürlich schwingt im zeitgenössischen Bereich die Unsicherheit beim potentiellen Käufer mit: Wie ist es um die Halbwertszeit des Werks bestellt? Kann sich der Name weiter etablieren, wird er von wichtigen Museen und Privatsammlungen angekauft? Interessieren sich Kuratoren dafür, das Bild in eine Ausstellung zu integrieren? Wenn man an den Malereiboom der 80er Jahre denkt, so wurden vor allem ganz junge Maler über Nacht regelrecht verheizt. Nur ein paar wenige Künstler von damals haben ihre Stellung halten können. Der Rest ist von der Kunstgeschichte selbst ausgesiebt worden. Trotz der neuen Euphorie für die jungen Strömungen der Malerei - realistische Positionen wie Leipziger, Dresdner Schule - ist im Unterschied zu den 80er Jahren der Markt weniger spekulativ und eingleisig. Die Käufer haben mehr Überblick über die Szene, sind kritischer, vergleichen die Qualität der Protagonisten untereinander.
Um sich einen facettenreichen Überblick der aktuellen Kunstszene zu verschaffen, bietet sich vor allem ein Besuch auf den großen Kunstmessen an: Art Basel, Art Basel Miami für den musealen High-End-Bereich, und für etablierte zeitgenössische Kunst, Art Cologne, Frieze in London, Armory Show in New York für jüngere Positionen. Natürlich ist es schwer, sich einen Überblick im nie enden wollenden Labyrinth einer Messehalle zu verschaffen. Der erste Besuch auf der Art Basel kann dann schon den Sehnerv überstrapazieren. Da heißt es zu selektieren, oder einen Experten als Guide zu beauftragen, der sich auf die jeweiligen persönlichen Vorlieben individuell einstellen kann und zielsicher die wesentlichen Stücke auswählen kann.
Non plus ultra bei jedem Kunstkauf soll die persönlich emotionale Verbindung mit dem Werk sein. Es ist mehr als nur eine abstrakte Aktie, mehr als nur ein etabliertes Label. Und außerdem: Kunst kann ein wichtiger Bestandteil des Lebens werden, im Extremfall bei richtigen Sammlern eine "unheilbare Droge". Mit einem Kunstwerk kauft man auch ein Stück Idee und Emotion des Künstlers, ein einzigartiges Stück. Im Unterschied zu einem Ferrari, der nach der ersten Probefahrt an Wert drastisch verliert, höchstens er entwickelt sich zu einem hoch begehrten Oldtimer, ist der Wert bei einem Kunstwerk generell stabil bis steigend. Dies ist dann fast ausschließlich der Fall, wenn man auf Namen und "Blue Chips" setzt. Natürlich ist der Preis generell schon recht hoch bemessen, wenn man einen Andy Warhol oder Willem de Kooning erwerben will. Da es sich hierbei um "abgesegnete", ja museale Künstler handelt, ist die Möglichkeit äußerst gering, dass die Preise für ein Werk solch eines Künstlers in den Keller rasseln. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man ein differenzierter Sammler ist: also nicht jeder Warhol ist ein guter oder ein wichtiger Warhol. Nicht die Marke allein zählt, sondern das Kunstwerk per se. So liegt zum Beispiel eine Marilyn oder Liz (bei Sotheby's für über 12 Mio. US$ im Frühjahr 2005 versteigert) aus der guten Pop-Art-Zeit der 60er Jahre um ein vielfaches höher im Preis, als ein durchschnittliches Celebrity-Porträt aus den 80er Jahren. Dabei ist es unumgänglich, sich viel zu informieren: Kunstgeschichte studieren, Ausstellungen zu besuchen, Fachliteratur zu lesen, auf Kunstmessen zu gehen, Auktionsergebnisse zu analysieren. Das klingt nach sehr viel Arbeit und Zeit, die dafür aufgebracht werden muss. Erfahrene Spezialisten aus dem Kunstbereich können Ihnen dabei große Unterstützung anbieten, Sie auf direktem Wege zu Ihrem Kunstwerk geleiten!